Gute Nacht

Der Schneehaufen-Mission Possible (27. Jan 2007)

Es war einmal ein Schneehaufen. Der stand mitten auf einem Feld an Rande eines Dorfes. Die Leute wunderten sich über diesen Schneehaufen. Es war zwar Winter, es war jedoch kein Schnee gefallen. Doch keiner kam dem Schneehaufen näher, es war als wenn er in Ruhe gelassen werden wollte. So gewöhnten sich die Leute an den Schneehaufen und beachteten ihn irgendwann nicht mehr.
Nun war es so, dass der Schneehaufen ein Raumschiff war und von einem fernen Planeten kam. Eines Nachts, als kein Mensch zusah, öffnete sich eine Tür und ein kleiner Hundebär kam heraus. Eigentlich war er kein Hundebär, er hatte nur die Gestalt eines Hundebären angenommen. In Wahrheit war er ein Wesen aus dem All. Er hatte die Fähigkeit, eine Gestalt anzunehmen, die er sich vorstellte. Er konnte aus Gedanken Materie enstehen lassen. Er hatte die Menschen schon länger beobachtet und ein Hundebär schien ihm am unauffälligsten zu sein. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Menschen zu erforschen. So machte er sich eines Nachts auf und ging durchs Dorf. Er ging in ein Haus. Er suchte die Bewohner des Hauses und fand sie in einem Raum, schlafend.
So legte der Hundebär sich neben die beiden Menschen und hörte ihren Träumen zu, ihren Gedanken und ihren Gefühlen. Ihr müsst wissen, der kleine Hundebär konnte Gedanken lesen. So hoffte er die Menschen besser kennzulernen. So ging er jede Nacht von Haus zu Haus, legte sich neben die schlafenden Menschen und hörte ihren Träumen zu. Er sammelte all die Träume und schrieb sie auf in einem Traumbuch.
Eines Nachts kam er zu einer alten Frau. Der Hundbär legte sich neben sie und wartete auf ihre Träume. Doch die alte Frau hatte keine Träume. Der Hundebär war verwirrt. Er lag mehrere Nächte neben der Frau, doch er konnte keinen Traum hören. Das machte ihn neugierig. So wartete er den Morgen ab und beobachtete die Frau am Tag. Da der Hundebär auch die Farben der Menschen sehen konnte, erschrak er, denn die Frau sah nur grau aus und sie wirkte sehr, sehr bedrückt. Sie verliess kaum ihre Wohnung und wollte nur noch sterben.
Der Hundebär wollte etwas tun. Ihm kam eine Idee. In der nächsten Nacht, als die Frau schlief, legte er sich wieder neben sie und las ihr aus dem Traumbuch vor. Das tat er eine Woche lang.
Eines Morgens stand die Frau auf und war wie verändert. Sie schillerte in den buntesten Farben. Sie verliess das Haus, plauderte mit den Nachbarn und machte lauter verrückte, aufregende Sachen. Die Menschen wunderten sich über ihre Veränderung.
Sie dachten, das die alte Frau verrückt geworden sei. Was sie jedoch nicht wussten war, dass die alte Frau nur die ungelebten Träume der Menschen lebte und einen Riesenspass daran hatte.




Clown und Smiley (03. November 2006)

Es war einmal ein Clown und ein Smiley. Sie waren unzertrennlich, denn sie hatten gemeinsam das Licht der Welt erblickt. Doch sie konnten verschiedener gar nicht sein.
Der Clown wollte immer lustig sein und konnte es nicht. Je mehr er es versuchte, desto weniger gelang es ihm. Er besuchte sogar eine Schule, um endlich ein richtiger Clown zu werden. Er erlernte das ganze Handwerk eines Clowns. Doch je mehr er lernte, desto ernster wurde er und desto weniger Spass hatte er am Leben. Auch die Menschen, mit denen er es zu tun hatte, reagierten ernst auf ihn. Viele bekamen sogar Angst. Sie fürchteten sich vor seiner Ernsthaftigkeit und der Tiefe, die dahinter steckte.
Smiley war da ganz anders. Smiley war ein Sonnenschein. Er lächelte immer und verbreitete sein Strahlen in die Welt. Die Menschen fanden ihn witzig und mussten immer lachen, egal was Smiley sagte oder tat. Dabei wollte Smiley, dass die Menschen ihn ernst nahmen. Doch je mehr er versuchte, ernsthaft zu sein, desto mehr lachten sie über ihn. Er besuchte viele Meditationskurse, um ernsthafter zu werden, er machte ernsthafte Musik, doch je mehr er es versuchte, desto lustiger wurde er und desto mehr lachten die Menschen.
Clown und Smiley klagten sich gengenseitig ihr Leid. Sie fühlten sich von der Welt unverstanden.Wie gut, dass sie einander hatten. So kamen sie auch gemeinsam auf die Lösung ihrer Probleme.
Sie mussten miteinander verschmelzen. So wären sie eins und hätten von jedem etwas, etwas Ernsthaftigkeit und etwas Lustiges.
Da Clown und Smiley Bonbons waren, sprangen sie gemeinsam in kochend heisses Wasser, um eins zu werden.
Sie lösten sich auf.
Damit hatten sie nicht gerechnet. Übrig blieb eine süsse Wassersuppe, die weder ernst noch lustig war und die so lange vor sich hinköchelte, bis sie verdampfte.




Die Burg (19.November 2006)

Es war einmal eine alte Burg, Sie war sehr alt und hatte schon viel gesehen. Viele Menschen hatten in ihr gewohnt. Sie hatte Kriege miterlebt, Feste, sonnige Tage, kalte Tage, sie hatten die Dramen unter den Menschen hautnah abbekommen, die Gefühle der Menschen, Zorn, Eifersucht, Hass, Neid, aber auch die angenehmeren wie Freude, Lust, Liebe, Spass.
Nun war es so, dass diese alte Burg immer mehr verfiel, da im Moment kein Mensch in ihr wohnte. Die kleine Stadt, der die Burg gehörte, hatte kein Geld, um sie zu renovieren.
Seit dem Bestehen der Burg wohnte auch eine Fee in den Gemäuern. Die Fee war genauso alt wie die Burg. Feen waren unsterblich. Sie konnten durch ihre Erfahrungen wachsen und damit immer weiser werden. Die Fee war in dieser Burg zu Hause und hatte schon genauso viel gesehen wie die Burg, nur eben alles aus Feensicht. Die Fee war in grosser Sorge, dass sich kein Käufer für diese Burg fand und die kleine Stadt die Burg so verkommen liess. Es war ja ihr zu Hause und sie brauchte dieses zu Hause, denn sie konnte nur weiser werden, wenn sie ein Heim hatte und von den Menschen, die dort lebten lernen konnte.
So zog die Fee eines Tages los, um einen neuen Käufer für die Burg zu suchen. Eine der Eigenarten des Feenvolkes jedoch war, dass sie von den Menschen nicht gesehen werden konnten. Nur ganz wenige Menschen hatten die Fähigkeit, eine Fee zu sehen bzw. ihre Anwesenheit zu spüren.
Das merkte die Fee, denn wenn sie versuchte die Menschen anzusprechen, ragierten die nicht. Sie kratzten sich, fühlten sich verfolgt, wurden ärgerlich. Es schien so, als wenn niemand sie bemerkte oder gar mit ihr Kontakt aufnehmen konnte. So zog die Fee immer weiter, von einem Dorf zum anderen, von einer Stadt zur anderen, doch niemand nahm sie wahr.
Die Fee wurde immer trauriger und musste mit Sorge an ihre Burg denken, die immer mehr verfiel.
Sie war erschöpft und liess sich auf einem Stein nieder, um ihren Tränen freien Lauf zu lassen.
Von der Fee unbemerkt kam eine Frau des Weges. Sie hatte ihren Hund dabei. Der Hund bemerkte die Fee als erster. Er fing an zu janken und zu wedeln und war ganz unruhig. Die Frau versuchte den Hund zu beruhigen und liess sich auf dem Stein nieder, auf dem die Fee sass. Als sie sich niedersetze wurde der Hund sofort ruhig und lehnte sich an das Bein seines Frauchens. Da erfasste die Frau eine tiefe Traurigkeit. Sie dachte daran, dass sie noch immer kein Heim für sich und ihren Hund gefunden hatte, in dem sie hätte glücklich weden können.
In diesem Moment bemerkt die Fee die Frau, sowie die Frau in diesem Moent ein Kribbeln wahrnahm, das durch ihren ganzen Körper ging.
Wenn jemand vorbeigekommen wäre, der sehen konnte, so hätte er bemrekt, dass der Körper der Frau und der Seelenkörper der Fee eins waren und dass ein Strahlen von ihnen aus ging.
Plötzlich hatte die Frau einen Impuls. Sie würde sich für die nächste Woche frei nehmen, ihren Hund ins Auto packen und einfach dorthin fahren, wo es sie hinführte. Sie hatte eine tiefe Gewissheit, dass sie ihr zu Hause finden wird.
So ging sie los, nahm sich Urlaub, packte ihren Hund ins Auto und fuhr los.
Sie fuhr weiter und weiter und als sie schon fast gar nicht mehr daran glaubte, ihr Ziel jemals zu erreichen, sah sie die Burg.
Sie weinte Freudenstränen, denn sie spürte, dass sie ihr zu Hause gefunden hatte.
Auch die Fee war glücklich. Endlich hatte sie jemanden für die Burg gefunden und ausserdem hatte diese Frau die Fähigkeit Feen zu erspüren.
Die Frau wandte sich an die Gemeinde und konnte die Burg für wenig Geld kaufen.
Seither bemerkten die Menschen in der kleinen Stadt, dass die Burg sich von Tag zu Tag veränderte und das Leben in die Burg zurück kehrte. Sie strahlte von Tag zu Tag mehr.
Die Fee und die Frau und die Burg hatten sich gefunden und würden ein Leben lang zusammenbleiben, mit ihrem Hund.




Der Hundebär (Oktober 2006)

Es war einmal ein kleiner Hundebär. Er war weder ganz Hund noch ganz Bär, er war eben von jedem etwas. Als er grösser wurde, wollte er herausfinden, wo er hingehört, er wollte seine Familie finden. So ging er zu den Bären. Die jedoch sagten: "Du kannst ja gar nicht richtig fischen, ausserdem bellst du ja wie ein Hund und du hast auch gar keine richtigen Tatzen." Er blieb trozdem bei ihnen. Die Bären brachten ihm viel bei, doch so richtig zu Hause hat der Hundebär sich bei den Bären nie gefühlt. Eines Tages packte ihn das Fernweh. Er bedankte sich bei den Bären und zog weiter. So kam er zu den Wölfen. Die jedoch sagten ihm: "Du kannst ja gar nicht richtig heulen, du kannst auch nicht in einer Meute jagen und ausserdem bist du viel zu langsam." Der Hundbär blieb trotzdem bei ihnen. Die Wölfe brachten ihm viel bei, doch auch bei ihnen hat sich der Hundebär nie zu Hause gefühlt. Eines Tages packte ihn wieder das Fernweh. Er bedankte sich bei den Wölfen und zog weiter. Er war sehr traurig und fühlte sich unendlich einsam. Seine Familie hatte er immer noch nicht gefunden. So zog er durch die Wälder und kam zu einem Fluss. Da er Hunger hatte, versuchte er einen Fisch zu fangen, so wie die Bären es ihm gelehrt hatten. Auf einmal tauchte aus dem Wasser ein sehr sehr grosser Fisch auf, sprang aus dem Wasser und tauchte kopfüber wieder hinein. So einen Fisch hatte der Hundebär noch nie gesehen. Ausserdem gackerte der so komisch, er wusste gar nicht, dass Fische solche Geräusche machen konnten. Dann schwamm der Fisch direkt auf den Hundbär zu, streckte ihm seine lange Schnauze entgegen und fragte: "Wer bist denn du? So etwas wie dich hab ich noch nie gesehen." Der Hundebär fragte ebenfalls fast gleichzeitig: "Wer bist denn du? So etwas wie dich hab ich noch nie gesehen." Das sagte der Fisch: "Ich bin ein Delphin, ich bin ein Säugetier, so wie du." "Oh" sagte der Hundebär "dann haben wir etwas gemeinsam." "Ja", sagte der Delphin "meine Ahnen müssen wohl früher einmal auf dem Land gewohnt haben, aber sie fanden das Wasser schöner, wahrscheinlich, weil es auf dem Land zu voll wurde. Komm ins Wasser, dann können wir zusammen schwimmen." Das liess der Hundbär sich nicht zweimal sagen und er sprang ins Wasser. Die beiden tobten wild umher. Der Hundebär liess sich von dem Delphin durchs Wasser ziehen und es machte riesigen Spass. So schwammen sie flussabwärts und kamen zu dem grossen Meer. Da erschrak der Hundebär, denn er hatte noch nie das Meer gesehen. "Ins Meer kann ich dir nicht folgen" sagte der Hundebär. "Das macht nichts" beruhigte ihn der Delphin "wir können uns ja immer wieder im Frühjahr hier treffen." Da war der Hundbär glücklich, denn er hatte einen Freund gefunden. Er verabschiedete sich von dem Delphin und ging in die Wälder, um sich auf seinen Winterschlaf vorzubereiten. Nun konnte er in Frieden und leichten Herzens schlafen, denn er wusste, dass er einen Freund hatte, den er im Frühjahr wieder sehen wird.
Die Freundschaft der beiden hielt ein Leben lang, ein Hundebärenleben lang. Jeder von ihnen hatte seine Welt, die ganz verschieden war von der Welt des anderen, aber sie hatten etwas gemeinsam: sie waren Säugetiere und - Freunde.




Sonnenuhr (September 2006)

Es war einmal eine Sonnenuhr. Die stand auf einem Dorfplatz in einem bayerischen Dorf. Sie war aus Stein, die römischen Ziffern waren in den Stein gemeißelt, in der Mitte ragte ein Eisenstab empor. Er warf bei Sonnenschein einen Schatten auf den warmen Stein, so dass jeder Mensch, der die Zeit lesen wollte nur schauen musste, welche Zahl der Schatten traf. Die Zeit verging, die Sonnenuhr wurde älter und der Eisenstab verwitterte und fiel aus seiner Verankerung. Die Menschen hatten immer weniger Zeit, die Uhr zu betrachten. Die Bürgermeister wechselten und irgendwann war die Uhr nicht mehr zeitgemäss, da die Menschen immer schneller und immer präziser wissen wollten, wie spät es ist. So wurde die Sonnenuhr eines Tages demontiert und durch einen digitale Uhr mit Temperatur- und Datumsangabe ersetzt. Die Sonnenuhr wurde zum Schrottplatz gebracht. Dort hatte man sie einfach vergessen. Gegenüber des Dorfplatzes wohnte eine alte Frau. Sie verliess nie das Haus. Sie schaute jeden Tag aus dem Fenster und beoabachtete den Dorfplatz. Sie schaute auf die digitale Uhr. Sie sah das Datum an und bemerkte, dass an diesem Tag ihr Geburtstag war. Es berührte sie nicht sonderlich, denn es würde sie ja eh keiner besuchen. Sie schaute und hing ihren Gedanken nach. Plötzlich fragte sie sich, wo denn wohl die alte Sonnenuhr geblieben war. Wahrscheinlich hatte man sie zum Schrottplatz gebracht. Auf einmal wusste sie was sie zu tun hatte. Sie zog ihre schönsten Sachen an, kämmte sich ihr dünnes graues Haar und verliess ihre Wohnung. Es war ein sonniger Tag. Sie ging zum Schrottplatz und in einer Ecke am Zaun sah sie schliesslich die alte Sonnenuhr. Sie nahm ihr Taschentuch, wischte den Staub von dem verwitterten Stein und betrachtete die Uhr. Es fehlte der Stab in der Mitte. Sie schaute sich um und sah einen Eisenstab und steckte ihn in das mittige Loch der Uhr. Die Sonne schien und warf ihre warmen Strahlen auf den Eisenstab. Dieser warf seinen Schatten auf den Stein. Die alte Frau schaute. Der Schatten stand auf kurz vor zwölf. Sie war glücklich über diese schöne alte Sonnenuhr. In diesem Moment hörte ihr Herz auf zu schlagen. Sie sank zusammen und fiel auf den warmen Stein.


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