Texte

Aktueller Text

Sonntag, 7. Juli 2013 - 14:24 Uhr
Das Grüne Blatt

Es war einmal ein grünes Blatt. Es war Frühling und es wuchs wie jedes Jahr und wurde wie jedes Jahr grösser und grösser. Es war so wie es immer war - und doch - und doch war es dieses Jahr anders. Als sich das Blatt umschaute, sah es gar keine anderen Blätter an dem Baum. Der ganze übrige Baum war kahl und leer und je mehr die Zeit fortschritt, desto weniger konnte es sich daran erinnern, wie es in den letzten Jahren war. Waren da überhaupt Blätter? Hatte sich das Blatt alles nur eingebildet? War es eine Illusion? War es schon die ganze Zeit allein und hatte es gar nicht gemerkt? So wuchs das Blatt und wurde grösser und grösser. Was allerdings ungewöhnlich war, dass das grüne Blatt diesmal sehr gross wurde, viel grösser als sonst. Es wuchs und wuchs und es wuchs über den Baum hinaus. Irgendwann meldete sich der Baum und sagte: "Hey, Blatt, was soll das? Du wirst viel zu gross! Ich kann dich gar nicht mehr tragen, ausserdem nimmst du mir die Sonne weg." Aber das grüne Blatt konnte nicht anders. So sehr es sich auch bemühte Rücksicht zu nehmen und sich zurückzuhalten - es ging nicht. Das Blatt hatte keinen Einfluss auf das was geschah. Der Baum beschwerte sich weiter und das Blatt wollte ihm nicht weh tun, weil es ihn doch liebte. Andererseits konnte es auch nicht gegen seine Natur handeln und nur dem Baum zu liebe anders sein als es war. So wuchs es und wuchs und irgenwann wurde es so schwer, dass es sich zu Boden neigte. Der Baum schrie: "Ich kann dich nicht mehr halten! Geh!" Und so fiel das grosse grüne Blatt ab vom dem kleinen Baum und sank zu Boden. Im ersten Moment verspürte es Erleichterung und sank in einen tiefen Schlaf. Aber dann wurde es von einem Gekeife und Gezetere geweckt. "Hey, was soll das? Du nimmst uns den Raum weg - die Sonne. Geh weg - wir wollen dich nicht - das ist unser Platz!" Und die Raupen am Boden fingen an, Löcher in das grüne Blatt zu fressen, das Getier zog und zerrte an dem Blatt und lange Zeit glaubte das grüne Blatt, das dies nun sein Untergang sei und dass es diesen Absturz nicht überleben würde. So ergab sich das Blatt seinem Schicksal, denn es hatte weder Beine noch die Kraft dazu, weg zu laufen. Eines Tages, als es schon keine Hoffnung mehr hatte und sich krank und allein fühlte und nur nur noch eine sanfte Ahnung es am Leben hielt, da ergab es sich, dass ein Unwetter aufzog, so wie es bisher niemand in dem kleinem Wald zuvor erlebt hatte. Ein Sturm zog auf und wirbelte alles durcheinander, was keinen Halt hatte. Und so kam der starke Wind, griff das Grüne Blatt und hob es mit seiner unbändigen Kraft zum Himmel empor. Alles Getier, welches vorher über das Grüne Blatt geschimpft hatte, blieb am Boden und bekam es mit der Angst zu tun. Auch der Baum erzitterte und kämpfte um sein Leben. Er wäre auch gern empor gehoben worden und so kämpfte er am Boden ums Überleben. Er sah, wie das grüne Blatt, mit dem er einst verbunden war, fort getragen wurde und bald verschwand der grüne Punkt am Himmel. Das Blatt hingegen war froh, dass der Sturm sich seiner annahm. Voller Aufregung und mit einer leisen Gewissheit der Hingabe, liess es sich von dem starken Wind tragen. So zog die Welt unter seinem Blattbodem vorbei und es überflog Landschaften, die es bisher nie zuvor gesehen hatte. Nach einer unendlich langen Zeit des Fluges und zu einem Zeitpunkt, als der Baum und das böse Getier ihre zerstörerische Schärfe verloren hatten, da beruhigte sich der Wind und das grüne Blatt sah unter sich einen gewaltigen wunderschönen Wald. So einen Wald hatte es bisher noch nicht gesehen. Der Wind liess das Blatt langsam und sanft zu Boden sinken und es kam auf einem von Blättern übersähtem weichen Untergrund zum liegen. Als es sich umschaute, sah das Blatt Pflanzen und Bäume in einer Grösse, die es ihm den Atem verschlug. Es selbst war nun geradezu winzig im Verhältnis zu dem, was es da sah. Die Tiere und die Würmer und alles Getier - keines beschwerte sich, dass es zu wenig Platz hatte und das Blatt merkte nach und nach, dass es angekommen war. So legte es sich voller Vertrauen nieder und begann erst zarte und dann immer kräftigere Wurzeln zu schlagen und vertraute dem, was es zu fühlen begann. Keins der anderen Lebewesen beschwerte sich und nun war der Raum gross genug, um wirklich zu wachsn. Ohne sein Zutun hatte sich die Perspektive für das grosse kleine grüne Blatt geändert und es war - zu Hause.


Sonntag, 16. Juni 2013 - 20:14 Uhr
Und die Moral...

Und die Moral von der Geschicht'
Mädchen, weich vom Wege nicht,
Bleib dir treu und halt nicht an
Traue keinem fremden Mensch
Geh nie bis zum bitteren Ende
Gib dein Herz nicht in fremde Hände,
Äussere Schönheit zieht sie an
Und ein Wolf ist jeder Mensch
Merk dir eines, in der Lust
Ist schon mancher Wolf erwacht
Weine um sie keine Träne
Wölfe haben faule Zähne.


gg



-----

Sonntag, 31. März 2013 - 15:26 Uhr
Angelus Novus

Die Menschen sind so intensiv mit der Abwehr von nutzlosen auf sie einströmenden Eindrücken bombadiert, dass sie gar nicht zur Ruhe kommen, um nachzudenken, um zu spüren, was sie wirklich brauchen.
Wer immer mit dem beschäftigt ist, was stört, was nicht gut ist oder womit er aus strukturell-staatsbedingten und meist auch aus denen resultierenden persönlich zwischenmenschlichen Notwendigkeiten heraus gezwungen ist, sich zu beschäftigen, der wird es schwer haben, seinem natürlichen innerem Wesen der Freiheit und der Selbstbestimmheit zu folgen.

Ja, manchmal muss Mensch einen Schritt zur Seite treten, um sich diesen Trümmerhaufen - die Leichen, das Leid, das Böse - distanziert anzuschauen.
Das kann er nur tun, wenn es ihm möglich ist, dem Zwang des Windes, des aus dem Paradies weht, zu entziehen, wenn er es schafft, eine andere Sichtweise zu gewinnen, eine Sichtweise, die es möglich macht, sicht ausserhalb des Systems zu setzen, um nicht der gezielten Handlungsunfähigkeit innerhalb des Sytems ausgeliefert zu sein.
Manchmal ist das Leid so gross und so unerträglich, dass nur dieser Schritt die eigene Seele retten kann.

(Bem: "der Wind, der aus dem Paradies weht" ist eine Bild aus einem Text von Benjamin - Begriff von Geschichte)

Dienstag, 5. März 2013 - 15:31 Uhr
Ausschnitt aus einer Auseinandersetzung über das (mein) Theaterspiel.


Theater ist die Bereitschaft den Wandel sichtbar und erlebbar zu machen und dies immer und immer wieder - NEU - bestenfalls in einer Atmosphäre von Traum- und Alltagsbewusstsein.


Dienstag, 22. Januar 2013 - 20:59 Uhr
Worte wie Farben

Ich sehe ein weißes Blatt Papier, ich lese etwas, was mich bewegt oder was mich aufwühlt. Ich begreife nicht, weiß nicht, was es mit mir zu tun hat, ich spüre ein dringendes Bedürfnis, mich darüber auszudrücken, mitzuteilen, ich suche mich innerhalb der Bedeutungen, innerhalb der ungreifbaren Gefühle. Ich schreibe, schreibe meine Worte so, als wenn ich ein Bild male, ein Bild, welches erst beim Malen entsteht. Es gibt keine Vorstellung - nur das dringende Bedürfnis, sich auszudrücken, sich mitzuteilen. Es schreibt, beim Schreiben kommen Assoziationen, Widersprüche, Wortspiele. Das Gegenüber verschwindet und wird zum Selbst. Das ich wird zum Du - das Du zum Ich. Es gibt keine Wahrheit, außer der, dessen wilden Spuren ich folge innerhalb der verschlungenen Wegen meiner Phantasie, meiner Realität, eine Realität neben all den geliebten Zahlen und Verlässlichkeiten - ich folge der Fährte, die die Worte legen, Worte jenseits der sinnlichen Erfahrbarkeit, jenseits der körperlichen Wirksamkeit. Es spielt keine Rolle, wer was gesagt hat, die Worte haben den sicheren Boden des Gespräches verlassen und tropfen auf das weiße Blatt Papier, mal wild und ungestüm, mal dumm und arrogant, mal sanft und sinnhaft, manchmal mit der Ahnung einer Weisheit oder der Ähnlichkeit eines Geschehens - aber immer frei - frei in ihrer wertenden wahrhaftigen Art - frei, jeden erdenklichen Sinn bilden zu wollen. Welch Wunder, wenn sie sich allein zu einem Ganzen fügen und in ihrer Gesamtheit ein geschlossenes Werk ergeben, in dem sie selbst das Ende bestimmen.

Anmelden





Ewigkeit - 12.07.2012

Ewigkeit
(Gitta Schürck - 12.07.2012)

Wer Ewigkeit denkt, der lebt nicht im Jetzt.




Bühne - 04.09.11

Bühne
(Gitta Schürck - 04.09.2011)

Die Bühne ist der Ort, in dem ungeschminckt,
unmaskiert unter Masken und Schmincke das Leben gespielt wird,
das Leben selbst hingegen ist voller Masken und Schmincke,
und bedarf der Bühne, um sich zu erkennen.




Im Schmelz der Zeit - 24.12.11

Im Schmelz der Zeit,
sieht jede Liebe anders aus - von ferne
jeder Mensch so einzigartig,
so verbunden mit mir,
verknüpft mit meiner Erinnerung,
mit dem, was abbildet in mir,
von Nahem ist allen das eine gleich,
die Einzigartigkeit, das Sehnen in der eigenen Liebe,
die Sucht zu finden im Du,
was verloren geglaubt, blind, um zu sehen,
die Suche nach der Verbundenheit
zum Ganzen, dem Einzigen,
von dem jeder und jede ein Teil des Ganzen,
das Ganze einzig in sich trägt,
so wie aus jedem Samen eine Pflanze wird,
und den Samen des Neuen wieder in sich trägt,
immer gleich im Wandel des Schmelzes,
bereit, sich hinzugeben, zu sterben,
bereit sich zu verlieren, um sich zu finden,
in der Einzigartigkeit des Eigenen,
teilzuhaben am grossen Ganzen -
im Alleinsein, denn nur welche allein
diese ganze Liebe, diese Verbundenheit kennt,
kann das Einzige im anderen, der anderen sehen -
auch oder gerade von ferne,
mit einem Ozean von Leben dazwischen -
noch gelähmt von Angst, zerrisenn von Trauer und Furcht,
geblendet von der Morgensonne,
die Gltzerlichter geben Verheissung,
und doch bereit zu schwimmen und abzutauchen
o o o o o o o o o o o o o
o o o o o o o o o o o
o o o o o o o o o
o o o o o o o
o o o o o
zurück nach Hause.




Bühne - 04.09.11

Bühne
(Gitta Schürck - 04.09.2011)

Die Bühne ist der Ort, in dem ungeschminckt,
unmaskiert unter Masken und Schmincke das Leben gespielt wird,
das Leben selbst hingegen ist voller Masken und Schmincke,
und bedarf der Bühne, um sich zu erkennen.




Jetzt Stirb, bis in die Ewigkeit (Sep 2011)

Grosse Worte, tiefe Blicke,
Grosse Sehnsucht, lange Tränen,
Tiefe bis zum zum Gehtnichtmehr,
Liebesillusion bis es schmerzt,
Auf die Liebe, fertig, tot.

Ich liebe dich, wie fatal,
den Worten nur zu glauben,
Du schaust mich an und lügst mir ins Gesicht
mit deinen ewigen Verdrängeraugen.

Ich hab geglaubt, die Droge süss,
die Nächte kamen schleichend,
die Dosis steigt, die Wirkung fehlt,
Ernüchterung begreifen.

Ich bin soweit, ich lass mich fallen,
lass mich fallen in den Tod.
Ich wache auf, das Messer steckt
tief in meiner Brust,

Du winkst mir lächelnd zu
und ----- bleibst,
und ----- bleibst,
und lässt mich sterben.

Du winkst ihr lächelnd zu
und ------ bleibst
und ------ bleibst
in deinem ew'gen Reigen.

Ich umarme mich
und ----- bleib
und ----- bleib
im Seelenwandel schreitend.




Entleerung (14. April 2008)

Sand rieselt unaufhörlich, leise zwischen den Zähnen der Wörter, bis sie rauh werden, unaussprechlich, bis sie kratzen in der Kehle, bis sie ihren Sinn verlieren und unkenntlich werden, bis sie ihren Klang verlieren, ihre Bedeutung, ihre Beziehung zum Du.
Sie sprudeln unaufhörlich aus dem aufgeblähten Maul der Entrüstung, tun ihre Dummheit der Zusammenhangslosigkeit kund und lassen die Weisheit zu Grabe tragen mit einem: "Ich habs ja schon immer gewusst." Verbale Tortenschlacht, die Gefühle sind längst entleert, im Darm der Zeit, der Darm, welcher Verstopfung hat im Moment der Vergessenheit, der Selbstvergessenheit, der Selbstlosigkeit des Hirns. Heute gibt es Hirnragout, angebrannt, kaum zu geniessen, der Höflichkeit wegen wird gegessen mit einem Lächeln im Gesicht, ein Lächeln, welches sucht, nicht mehr im Gesicht des Gegenübers, nein, es sucht in der Erinnerung, die sich nicht einstellen will, die Erinnerung, die sich selbst vergessen hat, da sie so selbstlos ist, die sich von hinten auf die Schulter tippt und in dem Moment des erwartungsvollen Anblickes des Angesichts einen Angriff von hinten erwartet und sich umdreht, um ins absolute Nichts zu schauen.




Manchmal in der Nacht (25. November 2006)

Manchmal in der Nacht, wenn die Tränen nicht mehr aufhören wollen zu fliessen,
manchmal in der Nacht, wenn die Einsamkeit mir ein Loch ins Herz brennt
und der Verstand versucht zu begreifen, was nicht zu begreifen ist,
manchmal in der Nacht, wenn der Nebel über den Feldern liegt, wie die Sorge auf meinem Herzen,
wenn kein Morgen mir ein Lächeln, eine Hoffnung entlocken kann,
wenn der Gedanke an dich nur weh tut,
manchmal in der Nacht, wenn ich keinen mehr lieben kann, noch nicht mal mich selbst,
wenn alles was schön war nicht mehr existiert, sich im Dunkel auflöst,
wenn nichts mehr gut ist, auch keine Umarmung,
weil sie nicht den Schmerz in meiner Seele berührt,
weil sie ist wie der Nebel, der alles nur abdeckt, einpackt,
es einfach unsichtbar machen will, obwohl es doch nach oben will,
obwohl es doch gesehen werden will,
manchmal in der Nacht, wenn der Weg nach vorne versperrt scheint
und ich durch mein Innerstes zurück gehen muss,
wenn es Winter wird, wenn ich dir die Hand reichen will
und sie im Nebel verschwindet, dort wo wir uns verlieren,
manchmal in der Nacht, in der heutigen Nacht,
lebe und sterbe ich gleichzeitig - ohne dich.




Klaviermelodie (Juli 2006)

Lauschen, zuhören, hinhören, nichts weiter tun,
eine Melodie erklingt, sie ist da,
ich lass sie meinen Körper durchströmen bis in die Fingerspitzen,
bis in das Vibrieren der Tasten, Elektriziät,
noch immer fürchte ich mich vor der Grösse, vor dieser Intensität,
weil sie ganz von mir Besitz ergreift und ich von ihr ergriffen bin,
bis die Tränen fliessen, weils ichs nicht mehr halten möchte,
nicht mehr halten kann, weil ich aufgeben muss,
weil diese Schönheit, diese Zartheit, diese Stille in der Musik kaum zu ertragen ist,
weil sie das reine Glück ist, weil ich mich nicht traue alleine glücklich zu sein,
und doch ist es Erinnerung, so satt, so dick, so klar, so voller Liebe,
dass ich genau weiss, hier will ich hin, hier bin ich zu Hause,
lass die anderen reden, lass meine Gedanken verstummen,
ich bins, ja, ich bin dieser Ton, ich bin diese Melodie,
auch wenn sie schon ewig lang existiert,
denn sie war schon immer da, so wie ich schon immer hier bin und ihr zuhöre,
um ihr einen Ton zu geben,
selbst wenn ich dieses Empfinden niemals mit anderen teilen könnte,
so bin ich in diesem Moment doch glücklich,
so spüren zu dürfen.

Danke




Hochzeit (Feb 1997)

Ich sitze hier auf dem Balkon,
schaue durch die Luft, bis meine Augen tränen,
mein Herz ist voll, weiß nicht wovon,
voll Leben vielleicht,
Ich möchte nur eine Hochzeit tanzen
und die möchte ich jeder und jedem zeigen, ohne sie zu benennen.
Vielleicht tanzen wir auf der gleichen Hochzeit.
Wenn ja, reich mir deine Hand und laß uns feiern,
denn diesen Tag gibt es nur einmal,
hier und jetzt.
Ich schaue in dein Lächeln und weiß, du meinst den gleichen Tag,
jeden Tag.Laß uns feiern, unsere einzige Hochzeit.




Sonnenblumen (April 1997)

Sonnenblumen streifen leise,
sinnend meinen Gang,
ziehen ihren Samen
streifend durch das Land,
wittern reif den Frühling,
wollen mich betörn,
stauben ihren Blütentraum
zitternd in mein Ohr.
Körper sind sie,
so wie ich,
weit und fein und klar,
Sterben sind sie,
so wie ich,
wenn sie der Schönheit sind gewahr.




Liebe (Juni 1997)

Prickelnd hab ich mich von dir entfernt,
bereit die Freiheit, die ich meine allein zu leben,
ich hatte dich aufgegeben, endgültig,
hatte mir die Freiheit genommen, die mir zusteht,
wieder ein Leben allein,
habe mir die Freiheit des Berührtseins genommen,
die Freiheit, die es ermöglicht,
daß wir uns gegenseitig sehen und achten.
Ein Wunder, daß ich dich wieder lieben kann,
ein Wunder, daß ich bereit bin, dich fortzuschicken,
dich gehenzulassen, um meiner Liebe treu zu bleiben.

Die Liebe überrascht, kümmert sich nicht um Regeln,
kennt keine Tabus, sie liebt dann, wenn sie will,
sie will in Freiheit lieben, sie will immer wieder überraschen,
sie will mir immer wieder zeigen, daß ich sie eigentlich gar nicht kenne.
Sie ist ein ungezähmtes Pferd, welches aus freien Stücken kommt
und jeden Moment wieder gehen kann,
sie will immer neu gezähmt werden, geduldig und liebevoll,
wenn du glaubst du könntest sie mit Zügeln und Geschirr zähmen,
oder sie vor anderen vorführen, irrst du dich und bist enttäuscht,
dann beißt sie dich und es wird bitter weh tun.
Die freie Liebe ist wild und ungezähmt und will doch immer wieder
gezähmt werden.
Laß dich überraschen von ihrer ungebeugten Wildheit,
ihrer zügellosen Lust, ihrer sanften stetigen Kraft.
Sorge dich nicht, wenn sie sich dir einmal gezeigt hat,
wird sie immer wieder kommen, immer dann,
wenn du am wenigsten damit rechnest.




Roter Wald - 16.05.2005

Roter Wald
(Gitta Schürck - 16.05.2005)

Ein ganzes Jahr, so wie die Ewigkeit,
deine Tränen fliessen in mein Herz, Tropfen für Tropfen,
Wasser auf Stein, gestreichelt, gewaschen, rein,
suchen sich ihren Weg durch meinen Seelenwald,
berühren die verborgenen Ecken, bringen Licht ins rauhe Gestein,
deine Sehnsucht nimmt die meine bei der Hand
und wir gehen zusammen durch die Wälder,
durchs Unterholz, in den einen roten Wald,
den nie jemand zuvor gesehen,
wie ein Versprechen - in Rot,
lassen die Wege an uns vorbei ziehen,
beim Gehen, Hand in Hand,
bis zur Lichtung und - verweilen,
eine Sekunde Ewigkeit in deinen braunen Augen,
und deine Tränen fliessen in mein Herz.




Für Immer (11/04)

Leise knistert die Zeit, kaum hörbar sagt sie:
weiter, geh weiter,bleib nicht stehn, schau, dass du nicht stolperst,
der eigene Schmerz ist der tiefste, die eigene Wunde die schmerzhafteste,
die Sorgen über neue Wunden lässt dich stolpern,
deshalb schau dir den Stein an, heb ihn auf, betrachte ihn, behalte ihn oder wirf ihn weg,
steig drüber oder lass ihn liegen, lass andere den Stein betrachten,
halt nicht an, geh weiter, wenn du weiter gehen willst, geh deinen Weg weiter.
Lass die anderen stehn, gerade, wenn du sie liebst, lass sie stehn, geh weiter,
leise knistert die Zeit, kaum hörbar sagt sie: verabschiede dich,
mit dem Wissen, es kann für immer sein, es ist für immer,
sowie die Liebe jetzt für immer ist.




Still (11/04)

In manchen Momenten wird es ganz still,
die Zeit bewegt sich nicht mehr,
kein Auto fährt, kein Windzug geht, keine Autotür fällt ins Schloss,
kein Vogel zwitschert, kein Flugzeug fliegt vorbei,
und wenn, so ist kein Geräusch zu hören,
für den Bruchteil einer Sekunde tönt Stille im Einklang mit meiner Seele,
die Stille des ewigen Moments,
sowie ein Ton, der nur für einen einzigen Moment erklingt,
so klar wie das Licht der Sterne in dieser eiskalten Nacht.




Druckbare Version